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Es gibt Träume, die Ruhe brauchen.

Hardy Böckli

Portrait von Hardy Böckli

Ich bin als Jenischer auf hartem Stroh im Jahre 1942 geboren. Von Musik bemuttert und gestillt. Als Zwilling ist mir das humane Teilen angeboren. Von der väterlichen, salomonischen Lebenslehre geprägt war ich in einem christlich orientierten Zuhause in der Stadt Zürich aufgewachsen. Schon früh kam ich in meiner Jugendzeit mit dem Alpinismus, der Fotografie und der Wüste in Kontakt. Die Leidenschaft für die Fotografie, meine unermüdliche Faszination für die Wüste und die Herausforderung des Alpinismus begleiten mich bis heute.

Schweizer Fotografen, aber allen voran der von Humanität durchdrungene Fotograf Werner Bischof (1916 – 1954), haben mein Auge und meine Sinne geschult. In Lehrkursen beim Fotografen Ernst Scheidegger (1923 – 2016) holte ich mir das erste technische Rüstzeug. Eine Aufnahme von Emil Schulthess (1913 – 1996) im Kulturmagazin «Du» vom Mai 1957 der Aiguilles de Sisse im Tibesti des Nord-Tschads war der Auslöser für alle meine späteren Missionen.

Das Können, das Wissen, die Begeisterung und der Mut von Frauen wie Ella Maillart (1903 – 1997), Annemarie Schwarzenbach (1908 – 1942), Freya Stark (1893 – 1993), Alexandra David-Neel (1868 – 1969), Gertrude Bell (1868 – 1926), Else Lasker-Schüler (1869 – 1945), Alfonsina Storni (1892 – 1938), Cilette Ofaire (1891 – 1964), vor allem aber dasjenige von Isabelle Eberhard (1877 – 1904), bewundere ich zutiefst. Der Pioniergeist eines Wilfred Thesiger (1910 – 2003) und die Sprachkunst eines Nicolas Bouvier (1929 – 1998) prägten mich für alle meine Einzelgänge.

Als Autodidakt verfeinerte ich sukzessive mein fotografisches Können. Ich zeichnete während Jahren meine Fotografien als einer der wenigen, unter Vertrag stehenden Leica-Fotografen. Die Einladung der Fotografen Alain Sèbe (1939 – 2025) und Maximilien Bruggmann (1934 – 2016) zum gemeinsamen Buch „Tibesti : Sahara interdit“ (2005) kam einer Bestätigung meiner Leidenschaft zur Fotografie gleich.

Anfangs der Sechziger Jahren setzte ich erstmals meine Füsse in ein Wüstengebiet und bereiste, damals noch mit einer Rolleicord unterwegs, die syrische Wüste und mit dem Wadi Draa den äußersten, saharischen Süden von Marokko. Dabei spielten mein Jugend- und Studienfreund Hans Rinderknecht (1942 – 2016) wie auch mein alpinistischer Erzieher und Freund Willi Tanner eine wichtige Rolle. Weitere erste Schritte folgten im Süd-Yemen wie auch in der äthiopischen Danakil-Wüste. Später konzentrierte ich mich, nun mit meiner ersten Leica R6 unterwegs, auf die Sahara : Zuerst in der marokkanischen und der damaligen spanischen Sahara, dann in Süd-Algerien, Libyen und im Niger.

Mit einer unauslöschbaren, inneren Glut erwartete ich das baldige Ende des Krieges im Tschad wo ich das Tibesti und das Ennedi zu bereisen hoffte. Während im Verlaufe einer ganzen Generation dort ein Bürgerkrieg herrschte, widmete ich mich meiner Familie wie auch meinen angeborenen, jenischen Talenten im Handel mit Gold und anderen Edelmetallen wie auch mit Devisen- und Geldgeschäften. Dank diesen wie auch dank meinem unerschütterlichen Festhalten an meinen Visionen und Träumen, war es mir später vergönnt, die Fotografie, die Wüste, den Alpinismus und das Forschen zu vereinen, um Ideen und Vorhaben aus der späteren Jugendzeit endlich realisieren zu können. Dabei war in den Jugendjahren wie auch in den Jahren die folgten, die Förderung wie auch die mentale Unterstützung meines weisen Vaters Karl Böckli (1915 – 1984) von ausserordentlicher und entscheidender Bedeutung. Aus fotografischer Sicht geniesse ich bis heute das Privileg, dass mir mein Bruder Charles Böckli mit seinen einzigartigen grafischen Talenten sowie mein Mentor, der kluge und erfahrene Lithograf Peter Meier, stets unterstützend zur Seite stehen.

Seit der Befriedung des Tschads im Jahre 1994, reiste ich mit einer ganz speziellen Vorliebe durch den noch unberührten Nord-Tschad, wo mich das Tibesti- und das Ennedi-Gebirge wie auch die angrenzenden Erdi fesselten. In der Anfangsphase waren mein Zwillingsbruder Bruno Böckli zusammen mit Piero und Marina Ravà verlässliche Stützen. Ich hatte im Jahre 1997 auch das Glück, den wohl bedeutendsten Universalwissenschaftler der Sahara, Prof. Dr. Théodore Monod (1902 – 2000), auf seiner wohl letzten Wüstenbegehung persönlich kennen- und schätzen zu lernen.

Schon seit vielen Jahren befasste ich mich mit dem in meiner bevorzugten Südost-Ecke der Sahara gelegenen, äusserst isoliert im Dreiländereck von Libyen, Aegypten und dem Sudan gelegenen Uweinat Gebirge. Ende 2006 folgte ich einer Einladung von Dr. Carlo Bergmann, dem Autor des Buches «Der letzte Beduine – Meine Karawanen zu den Geheimnissen der Wüste» (2001), um mit ihm und seinen drei Kamelen Arabella, Amour und Ashan während vielen Wochen durch das riesige Sandmeer der «Libyan Desert» forschend zum Gilf Kebir zu ziehen.

Eine eigene Mission führte mich dann erstmals während den ersten Monaten des Jahres 2007 zum Uweinat. In Zusammenarbeit mit Mahmoud Marei aus Kairo und Hassane Samba aus N’Djamena gelang mir die äusserst heikle Besteigung dieses Wüstengebirges. Wir machten bedeutende Entdeckungen von prähistorischen Felsmalereien in nicht vorstellbaren Höhen. Diese Funde waren in Fachkreisen von ausserordentlicher Bedeutung, dies auch dank der Zusammenarbeit mit dem früh verstorbenen Wissenschaftler Werner Pichler (1948 – 2011) wie auch mit Roberta Simonis, der Verlegerin des wissenschaftlichen Jahresbuches «SAHARA».

Auf den Spuren des Ethnologen Peter Fuchs (1928 – 2020) durchquerte ich zusammen mit vier Bideyat-Nomaden und deren sechs Lastkamelen im Winter 2012/13 während über zehn Wochen das Ennedi von West nach Ost. Mein Team entdeckte prähistorische Felsgravuren, Felsmalereien und einzigartige, Jahrtausend alte Steinskulpturen. Die Anerkennung meines Schaffens durch den Ethnologen Peter Fuchs bleibt mir bedeutend. Sein Buch „Weisser Fleck im schwarzen Erdteil (1958)“ hatte mir die Pforten für das Ennedi geöffnet.

Auch die anschliessende Erkundung der Erdi brachten, zusammen mit dem außerordentlich erfahrenen Rocco Ravà, ähnlich erstaunliche Funde. Diese Mission führte mich und meine fünf Weggenossen  am 13. Februar 2013 zu den Ausläufern des Ost-Tibesti zum Rocher Noir, wo der Fotograf Emil Schulthess am 14. Dezember 1955 seine, auch international, viel beachteten Aufnahmen einer ringförmigen Sonnenfinsternis, eine Jahrtausend-Finsternis, realisiert hatte. Marcel Chappot (1908 – 1967), ein erfahrener Wüstenfuchs und einfacher Postangestellter, hatte diese Expedition, welcher auch der unentbehrliche Mechaniker Ernst Joos (1907 – 1977) angehörte, geführt und zum Tibesti geleitet. Dieses „Du“ der Ausgabe Mai 1957 hatte mich bis zu diesen angestrebten Koordinaten begleitet. Der Kreis hatte sich geschlossen. Tibesti und Ennedi : Meine zwei Pforten zum Paradies. Die in diesem Portrait genannten Namen sind in mir eingraviert wie Felsgravuren. Stellvertretend sollen hier zum Schluss der Tubu aus Bardai (Tibesti), Erzej Yadir sowie der Bideyat, N‘Gaye Abangaye aus dem Oued Nohi (Ennedi), besonders hervorgehoben werden. Dank Ihrer Erfahrung und Zuneigung haben sie beide meine Missionen im Tibesti und Ennedi zum Ersehnten geführt. Klänge von Dankbarkeit und Respekt durchdringen mich noch heute. Die unauslöschbare Urkraft der von Emil Schulthess meisterlich aufgenommenen Sonnenfinsternis des Jahres 1955 hatte mich, endlich, zu diesem Punkt, zu diesen Koordinaten, geführt. Wie magnetisch angezogen. Ein Punkt der Leere. Ohne Ränder. Verloren an der Schwelle der Unendlichkeit, der grenzenlosen Unergründlichkeit. Hatte nicht auch Heinrich Schliemann (1822 – 1890) seinen Troja-Traum erdauern müssen? Meine Vision, mein Traum ist spät in Erfüllung gegangen. Ich bin angekommen. Ich habe das Nichts erreicht. Das vielfältige Nichts. Endlich im Unendlichen. Wie recht hatte doch Antonio Porchia (1885 – 1968) : „Es gibt Träume, die Ruhe brauchen.“

Hardy Böckli – born to be sand

© 2026 Hardy Böckli, Am Syteli – Understock 25, CH-3862 Innertkirchen

© 2026 Hardy Böckli
Am Syteli – Understock 25
CH-3862 Innertkirchen

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